Die Wanderung auf den Chasseral nahm ich nicht alleine in Angriff, ich konnte meinen Arbeitskollegen Michu dazu überreden, mich zu begleiten.  😉
Wir starten unsere Reise am Bahnhof von Olten und nehmen den Zug in Richtung Biel, dort heisst es umsteigen in den Zug Richtung Villeret. Im Zug fallen uns die Knöpfe an der Wand auf, wie im Bus. Wir stellen fest, dass wir diese betätigen müssen, sobald wir an einem Ort aussteigen wollen, ansonsten wird der Zug nicht halten.
Die Zugfahrt ist sehr idyllisch, wir fahren durch liebliche Dörfer und imposante Schluchten.
In Villeret steigen wir aus und setzen unsere Tour zu Fuss fort. Im Dorfladen stocken wir unseren Proviant mit Cervelas, Brot und Käse auf. Vielleicht finden wir noch eine Grillstelle um den Wandertag perfekt zu machen, das Wetter passt auf jeden Fall schon ganz gut. Beim Smalltalk an der Kasse stellen wir fest, mehr schlecht als recht sind unsere hängengebliebenen Französischkenntnisse. 🤷‍♂️

Wir starten unsere Wanderung und folgen dem Bergwanderweg (das ist die rot-weiss-rote Markierung auf der Wandertafel) Richtung Chasseral durch den Combe Grède. Im Wald können wir schon ein wenig erahnen, was uns bald in der Schlucht erwartet. Die Hänge, durch die sich der Wanderweg schlängelt werden höher und höher. Beim Wanderwegweiser im Combe Grède werden wir darauf hingewiesen, dass der Weg nur für schwindelfreie Personen begehbar ist und drei Metallleitern überwunden werden müssen. Schwindelfrei sind wir beide und Leitern steigen können wir ebenfalls, sollte also kein allzu grosses Problem für uns sein.

Der Bach, an dem der Weg entlang führt, ist beinahe ausgetrocknet. Ich frage mich, was diese Schlucht für eine zusätzliche Ehrfurcht auslösen würde, wenn der Bach genügend Wasser führte.
Etwas weiter oben erkennen wir bereits die ersten Leitern, welche es zu überwinden gilt.
Auf dem Weg nach oben hören wir immer Mal wieder Steine, welche den Rand der Schlucht hinab fallen. Es ist sehr wichtig, das man den Weg mit voller Aufmerksamkeit beschreitet, dann könnte man im besten Fall einen möglichen Steinschlag abwenden.

Wir gewinnen auf unserem Weg mehr und mehr an Höhe und machen eine kurze Rast auf einem kleinen Plateau. Ich geniesse den Ausblick, während Michu ein erstes Blasenpflaster auf seiner Ferse anbringt. “Wird besser mit der Zeit, musst dich nur daran gewöhnen”, sage ich zu ihm, er belächelt meine Aussage nur. 😒
Man sieht die einzelnen Windkrafträder in der Ferne auf dem Hügel, immer wieder hört man Flugzeuge und wenn man sie am Himmel entdecken kann, werden sie meist verfolgt von Segelflugzeugen, welche sie in die Lüfte befördern.

Erholt von der kurzen Pause, setzen wir unseren Weg fort und erreichen schon bald den Wegweiser am “Prè aux Auges”. Hier befindet sich auch “Der Goldene Wegweiser 2000”, welcher durch den Verein Berner Wanderwege BWW ausgezeichnet wurde. Meines Wissens ist dies das erste Mal, dass ich einen “goldenen Wegweiser” auf einer meiner Wanderungen antreffe. Wir folgen dem Wegweiser weiter Richtung Chasseral. Beim nächsten Wegweiser, folgen wir wieder dem Bergwanderweg Richtung Chasseral/Signal, welcher mit 1h10min angegeben ist.

Immer wieder hören wir Motorräder, die den Weg durch die Kurven sichtlich zu geniessen scheinen, zwischendurch sieht man auch einen Rennvelofahrer. Diese sind auch schnell unterwegs, wirken jedoch eher träge im direkten Vergleich zu den Motorradfahrern. 🏍 
Wir erreichen das Kreuz zwischen Hotel und der Antenne, nun nach rechts, schliesslich wollen wir den höchsten Punkt von Neuenburg erreichen. Am Hotel vorbei und geschafft. Jedoch drehen wir wieder um und nehmen den Weg zurück bis zur Antenne, dort sind wir mit 1’607m noch etwas höher, aber schon wieder im Kanton Bern.

Der Wind hier oben ist ziemlich frisch, weshalb wir uns für den Abstieg in wärmere Regionen entscheiden. Wir stossen in gewissen Gruben immer noch auf Schneefelder, hätte nicht erwartet, dass ich im Juni in dieser Höhe nochmal auf Schnee gehe. Weiter unten finden wir ein geeignetes Plätzchen um unsere Cervelats über dem Feuer zu grillieren. Wir sammeln trockenes Feuerholz, stapeln das Material ordnungsgemäss und zünden unser Feuer. Für die Stecken um die Cervelat aufzuspiessen verwenden wir ebenfalls Äste, welche am Boden liegen. Wir müssen ja nicht gesunde Bäume verletzen. Die Wurst, der Käse und das Brot schmecken herrlich

Nach diesem exzellenten Mittagessen machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof von La Neuveville, zuerst hinunter in das Dorf Nods, vorbei an Kühen und Häusern mit einer Aussicht auf die Alpen, auf die man neidisch werden könnte. Weiter geht es über Feldwege auf denen wir Modellflieger beobachten können. Der Feldweg führt uns über einen Bauernhof und weiter in den Wald. Durch den Wald kommen wir bis zum Combe du Pilouvi, wie folgen den Wegweisern Richtung La Neuveville. 

Weiter gehts eine Treppe hinunter, an deren Ende uns ein Bach mit kühlen Wasser und plätschernden Wasserfällen erwartet. An diesen Ort werden wir bestimmt einmal wieder zurückkehren mit unserer restlichen Kameraausrüstung um einige schöne Wasseraufnahmen zu machen. Nachdem wir unsere Hände und Arme abgekühlt haben, setzen wir unseren Weg fort. Der Weg führt uns über Wurzeln und Treppen, bis hin zu einem kleinen Irrgarten mit Wegen, welche alle mehr oder weniger nach unten führen. Wir gehen entlang von Rebbergen bis wir das Altstädtchen von La Neuveville erreichen und uns im ersten Gartenrestaurant eine Abkühlung gönnen. Beim erholen bemerke ich eine Zecke auf meiner Kleidung, ich schnippe sie weg…kleine, fiese Blutsauger. 👿

Am Bahnhof warten wir auf unseren Zug zurück nach Hause, jedoch scheint dieser nicht pünktlich zu sein. Plötzlich hören wir, wie die Gleise langsam anfangen zu singen und immer lauter werden. Dann schiesst eine alte, grosse Dampflok mit nostalgischen Anhängern an uns vorbei, was für ein Anblick und was für ein Geruch. Sowas sieht man nicht alle Tage. Kurz darauf trifft auch unser Zug ein und wir geniessen die Rückfahrt zurück nach Olten.

Routendetails

Startpunkt: 
Endpunkt: 
Höhe:
Wegverlauf:

Länge:
Höhenmeter:
Ausrüstung:

Chasseral Ouest

Villeret
La Neuveville
1’552müm
Villeret – Combe Grède – Pré aux Auges – Chasseral Hotel – Chasseral Ouest – Chasser Hotel – Chasseral Signal – Nods – Combe du Pilouvi – La Neuveville
25km
~1’020hm positiv | 1’320hm negativ
Wanderschuhe, Trinkflasche, Verpflegung, Sackmesser, Feuerzeug

Finde hier die neuesten Informationen und den Stand meines Projektes der 26 Kantonshöhepunkte.

Helft mit, Sorge zu tragen und verlasst die besuchten Orte bitte so, wie ihr sie gerne anzutreffen wünscht, auch wenn das manchmal bedeutet, dass man den Müll von anderen mit nach unten trägt. Somit können wir gewährleisten, dass die nachfolgenden Wanderer ebenso Freude daran haben und die Natur weitestgehend von den Hinterlassenschaften des Menschen verschont bleibt.

Und bitte denkt immer daran, Wandern kann gefährlich sein.

Informiert euch über die aktuellen Wetterverhältnisse, nehmt genügend Trinkwasser mit, verlasst euch nicht nur auf eure Ausrüstung, sondern auch auf euer Können. Trainiert genügend, bevor ihr euch an Wanderungen wagt, informiert andere über euer Vorhaben, wenn ihr alleine unterwegs seid. 

Weitere Tipps zum wandern findet ihr unter sicher-bergwandern.ch.


Manuel

Manuel

Ich liebe unsere Erde... Komm raus und entdecke unsere Welt mit mir, sie hat viele wunderschöne und prächtige Sachen zu bieten!

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